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Kommentar - German Escher, Chefredaktor

Sind wir besser als unser Ruf? 

Eine kritische Selbstbeurteilung schadet nicht. Dennoch stellt sich die Frage: Schätzen wir Walliser uns schlechter ein als wir sind? Verkaufen wir uns gar unter Wert?

Eine kürzlich auf der Online-Plattform 20min.ch durchgeführte Umfrage (siehe S. 4 / 5) liefert mögliche Antworten. Die Oberwalliser haben einen schönen Dialekt, werden häufig nicht verstanden und gehören nicht eben zu den schönsten Eidgenossen. Auffallend ist weiter, dass die Verfasser der Umfrage auf die Frage «Was halten Sie von den Wallisern?» keine einzige positive Antwortmöglichkeit vorgegeben haben. Das Beispiel zeigt: Die in Zürich ansässige Redaktion sieht uns Walliser eher als «giftige Leute» und «korrupt».

Jedes Image hat seine Geschichte. Negativschlagzeilen über Umweltvergehen, Bauskandäle, Weinschwemme oder Missbrauch von Spendengeldern bleiben oft länger haften als positive Ferienerinnerungen oder die herausragenden Leistungen der Oberwalliser Persönlichkeiten in Wirtschaft, Politik oder Spitzensport. Aber haut einer der bekannten Persönlichkeiten einmal daneben – wie etwa beim Autounfall von Sepp Blatter – werden von den nationalen Medien gleich wieder bekannte Klischees hervorgeholt.

All das soll uns nicht weiter stören: Auf unsere Natur, Tradition, die vielfältige Kultur, aber auch auf die Leistung im eigenen Landstrich dürfen die Oberwalliserin und der Oberwalliser durchaus stolz sein. Das belegen beispielsweise die neuesten Arbeitslosenstatistiken, welche diese Woche veröffentlicht wurden. Ende Februar waren im deutschsprachigen Kantonsteil 807 Personen ohne Arbeit. Dies ergibt eine Arbeitslosenquote von 2,1 Prozent. Zum Vergleich: Der nationale Durchschnitt liegt bei 4,4 Prozent. Im Mittelwallis beträgt die Arbeitslosenquote 6,4, im untersten Kantonsteil gar 7,2 Prozent.

Auch diese Zahlen lassen Spielraum für Interpretation. Sind Mentalitätsunterschiede oder gar andere Arbeitseinstellungen mögliche Gründe für die doch markant höhere Arbeitslosigkeit im Welschwallis? Vielleicht hilft auch hier ein selbstkritischer Blick in den Spiegel weiter: Bedienen wir uns in der Beurteilung anderer Miteidgenossen nicht auch alter und mitunter ungerechtfertigter Klischees?

 
 

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