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"Ein beklemmendes Gefühl"
Die Stadtpräsidentin Viola Amherd über die Briger Unwetterkatastrophe vor 15 Jahren.
Mit welchen Gefühlen begegnen Sie als Stadtpräsidentin nächste Woche dem 15. Jahrestag der Unwetterkatastrophe?
Obwohl das Unwetter bereits 15 Jahre zurückliegt, denke ich immer noch mit beklemmendem Gefühl an den 24. September 1993 und vor allem an die beiden verstorbenen Frauen zurück. Andererseits verspüre ich eine grosse Dankbarkeit für die unbeschreibliche Solidarität und Hilfe, auf die wir beim Wiederaufbau zählen konnten.

Was war für Sie persönlich das schlimmste Erlebnis an jenem Tag?
Von meinem Bürofenster aus konnte ich sehen, dass vis-à-vis zwei Frauen versuchten, das Schuhgeschäft vor Wassereintritt zu schützen und dass der Wasserspiegel plötz-lich zu hoch war, um das Lokal zu verlassen.

Die Schäden waren damals enorm. Trotzdem ist heute die Gemeinde finanziell kerngesund. Hat Brig von der Katastrophe profitiert?
Die Unwetterkatastrophe war für die Gemeinde ein harter Schlag. Insbesondere die Gewerbebetriebe haben stark darunter gelitten. Es wäre deshalb falsch zu behaupten, die Gemeinde habe von der Katastrophe profitiert. Anderseits muss man zugeben, dass die Gemeinde finanziell nicht unter dem Unglück gelitten hat.

Brig-Glis hat sich verändert. Hat sich die Neugestaltung bewährt?
Ja, davon bin ich überzeugt. Gerade das Alpenstadtjahr zeigt, welche Vorteile ein grosszügiger und offener Platz bietet. Die drei Gratiskonzerte im Sommer, die mehreren tausend Personen ein tolles Erlebnis in fan-tastischer Ambiance ermöglichten, hätten vor der Neugestaltung nicht in dieser Attraktivität durchgeführt werden können. Überhaupt ist die Innenstadt voller Leben. Werktags wie an Wochenenden ist das Zentrum Treffpunkt für Einheimische wie auch für Touristen.

Die Pflastersteine sorgen immer wieder für Ärger. Wird die Gemeinde aus Rücksicht auf die High-Heels-Damen Anpassungen vornehmen?
Wir haben etliche Abklärungen getroffen und Massnahmen geprüft. In Absprache mit den Gewinnern des damaligen Architekturwettbewerbs hat der Gemeinderat nun beschlossen, auf zwei Versuchsflächen die Fugen mit speziellen Mörtelprodukten zu behandeln. Aufgrund dieser Erfahrungen kann der Rat dann das weitere Vorgehen bestimmen.

Vor 15 Jahren wurde den Glisern versprochen, die Neugestaltung auch westlich der Saltinabrücke voranzutreiben. Wie gehts hier weiter?
Nach Übernahme des Ressorts Planung vor vier Jahren habe ich dieses Projekt in die Hand genommen. Für den Saltinaplatz wurde ein Studienauftrag mit fünf Architekturbüros durchgeführt und es gibt einen sehr schönen Gestaltungsvorschlag. Auch für die Gliserallee und den Dorfplatz Glis liegt eine Projektidee vor. Die Realisierung des neuen Saltinaplatzes wird durch Einsprachen verzögert. Was die Gliserallee angeht, hat der Kanton vor 2010 keine finanziellen Mittel zur Verfügung. Da es sich um eine Kantonsstrasse handelt, ist die Gemeinde auf den Kanton angewiesen. Sie sehen, die Gemeinde hat die Hausaufgaben gemacht.

Ist Brig heute sicher vor einem Hochwasser?
In der Natur gibt es nie eine absolute Sicherheit. Die Hochwasserschutzmassnahmen, die nach dem Ereignis 1993 getroffen wurden, haben jedoch ihren Zweck erfüllt. Das Hochwasser im Jahre 2000 hat dies deutlich ge-zeigt. Auf dem gesamten Gemeindegebiet sind die dringlichen Massnah-men ausgeführt worden, so dass der Schutz nach menschlichem Ermessen als gesichert angenommen werden kann. Weiterführende Sicherheitsvorkehrungen sind an der Gamsa geplant und budgetiert, aber von Bund und Kanton noch nicht genehmigt.
German Escher

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